OER im Blick 2026 – Welcome to the Jungle

Herzlich willkommen zu den Seiten der Konferenzreihe „OER im Blick“. Einmal im Jahr kommen Programmbeteiligte – aus den Projekten, dem Kreis der Gutachtenden, den Gremien zur Fortentwicklung der Strategie und zusätzliche Impulsgeber – zum gemeinsamen Austausch im Rahmen einer Konferenz zusammen. Denn wir haben in unserer langjährigen Förderarbeit erlebt, dass Ideen besonders im persönlichen Austausch gedeihen und dass Projekte mit ähnlichen Zielen und Herausforderungen enorm vom „wie macht ihr das denn?“ profitieren.
Am 28. und 29. April 2026 fand unsere Statuskonferenz „OER im Blick“ in Köln statt – in einem außergewöhnlichen Ambiente mit lateinamerikanischem Flair: dem smartvillage. In inspirierender Umgebung sind wir auf eine gemeinsame Expedition durch das vielfältige OER-Ökosystem gegangen.
Überblick:
28.04.2026
Pre-Conference
Keynote “OER und KI: Was, warum, wozu und wie – Praxisperspektive Schule?“
Sessions I
OE_COMmunity Forum – Projekte, Perspektiven, Partnerschaften
Abendessen und offener Ausklang
29.04.2026
Sessions II
OER und KI: Was, warum, wozu und wie – Praxisperspektive Hochschulnetzwerk HAWKI?
MOERFI-Stakeholder-Stage
Wie geht es weiter?
Moderation: Katja Irle
28.04.2026
PreConference
Noch bevor die große Expedition offiziell begann, fanden im Rahmen der Pre-Conference bereits erste Vorbereitungen statt: Der OER-Beirat sowie die Projekte der Förderrichtlinie OE_Struktur kamen jeweils zu eigenen Aus-tausch- und Arbeitsrunden zusammen.
Die OE_Struktur-Projekte nutzten diese frühe Etappe, sich themenzentriert miteinander zu vernetzen. Wie können bereits bestehende Praktiken des Teilens sichtbar gemacht werden, ohne dass der Begriff OER besonders bei der Zielgruppe der Schulträger zu einer Hürde wird? Welche Schnittstellen gibt es zwischen KI- und OER-Themen und wie verändert OER unsere Bildungsarbeit? Diese Fragen diskutierten die Teilnehmenden vertieft. Im Anschluss stellte sich das Projekt Meta_Struktur der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg vor, das die Projekte der Förderlinie OE_Struktur wissenschaftlich begleitet. Themen waren projektübergreifende Kommunikations- und Kooperationsformen sowie Entwicklungs- und Transferstrategien zwischen Wissenschaft und Schulträgern, dazu die Kernfrage, wie die Vernetzung der Projekte unterstützt werden kann.
Der OER-Beirat traf sich zur fünften Sitzung und diskutierte die Umsetzung der OER-Strategie sowie die Arbeit der Arbeitsgruppen, um das BMBFSFJ zu beraten. Im Zentrum stand die Frage, wie sich der OEP-Begriff weiter schärfen lässt und ob Offenheit im Bereich Bildungsressourcen immer der richtige Ansatz ist. Ebenso ging es um die Rolle von KI bei der Erstellung und Nutzung von OER und deren Einordnung in die OER-Strategie. Darüber hinaus wurde diskutiert, wie sich OER und Offenheit dauerhaft in der Projektförderung verankern lassen. Abschließend richtete sich der Blick auf die Fortschritte des länderübergreifenden Vorhabens EduCheck. Beim gemeinsamen Mittagessen wurde der Kreis durch KI-Expertinnen und -Experten erweitert, die anschließend ihre erarbeiteten Prototypen vorstellten. Daraus entwickelte sich eine Diskussion zu den Themen Qualität und Professionalisierung im Kontext von OER.


Erster Konferenztag
Keynote “OER und KI: Was, warum, wozu und wie – Praxisperspektive Schule?“
Zum Nachmittag füllte sich der Dschungel merklich. Rund 230 Expeditionsteilnehmende trafen ein und entdeckten zunächst auf eigene Faust das Dschungelgelände, bevor mit einem schrillen Papageienruf der Beginn der Konferenz hörbar gemacht wurde.
Den inhaltlichen Auftakt bildete die Keynote „OER und KI: Was, warum, wozu und wie – Praxisperspektive Schule?“. Dr. Steffen Schneider, Mitgründer der Bildungsinitiative „KI macht Schule“, und Joscha Falck, Lehrer an der Mittelschule Rednitzhembach, gaben Einblicke in die Chancen von KI für individuelles Lernen aus schulischer Perspektive.
Im Mittelpunkt stand das länderübergreifende Vorhaben „AIS – adaptives intelligentes System“, das im Rahmen des DigitalPakts Schule im Auftrag der 16 Bundesländer entwickelt wird. Ziel ist eine KI-gestützte digitale Lehr- und Lernumgebung für allgemeinbildende Schulen in Deutschland, die Lernende in ihrem individuellen Lernprozess unterstützt und Lehrkräfte bei Diagnostik und Unterrichtsplanung entlastet. Die Vorstellung der Plattform, auf der Inhalte und Anwendungen zusammengeführt und von Lernenden adaptiv genutzt werden können, regte zur Diskussion an, für die allerdings nur wenig Zeit blieb.


Sessions I
Im Anschluss arbeiteten die Expeditionsteilnehmenden in kleineren Teams weiter und nahmen den OER-Dschungel genauer in den Blick. In Workshops, Vorträgen und Meetups wurden Projekte und Plattformen vorgestellt und Fragen sowie Herausforderungen rund um OER aufgegriffen und diskutiert. Dabei zeigten sich auch erste Anknüpfungspunkte für mögliche Kooperationen.
Workshops
W1: Lessons learned

Referierende: Martin Christian (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V.), Prof. Dr. Konrad Faber (Virtueller Campus Rheinland-Pfalz (VCRP)), Dr. Susanne Friz (FWU Institut für Film und Bild in Unterricht und Wissenschaft gGmbH), Noreen Krause (TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek (TWILLO))
Im Workshop „W1: Lessons learned“ tauschten sich die Teilnehmenden nach einer kurzen Einführung in aktuelle OER-Fragestellungen und mögliche Hürden bei Projekten über bisherige Erfahrungen und „Lessons learned“ aus. Dadurch ergaben sich drei thematische Gruppen, die vertieft diskutiert wurden:
• Gruppe 1 „Kompromisse bei OER-Projekten“:
Beim Thema Offenheit von OER/Infrastrukturen müssen in Projekten oft Kompromisse eingegangen werden – so können OER-Podcasts zum Beispiel auch auf YouTube oder Spotify zur Verfügung gestellt werden. Wichtig ist, sich an die Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen.
• Gruppe 2 „Scheitern mit Lernplattformen“:
Die Struktur von Förderprojekten ist in der Regel so angelegt, dass durch häufige Personalwechsel am Übergang von Projekten Wissen verloren geht und häufig Lösungen und Vorgehensweisen etabliert werden, die bereits vorhanden waren. Verfahren zur Sicherung von Prozesswissen sollten strukturiert gesichert werden, um Projekte erfolgreicher durchführen zu können – auch im Sinne der Fördermittelgeber.
• Gruppe 3 „Rechtliche Aspekte/Bereitstellung von OER“:
In den Blick genommen wurden rechtliche Aspekte und Fragen der Bereitstellung sowie Anpassbarkeit von OER, die als erfolgskritische Faktoren angesehen werden und zu denen die Beteiligten frühzeitig unterstützt werden sollten. Im Rückblick auf bisherige Projekte sollte frühzeitig Wert auf entsprechenden Kompetenzaufbau gelegt werden.
Im Anschluss wurden die „Lessons learned“ systematisiert in individuelle, institutionelle und systemische Faktoren, um eine Orientierung zu geben.
W2: EduFeed: Dezentrale OER-Vernetzung mit Nostr – Hands-on Workshop
Referent: Steffen Rörtgen
Im Hands-on-Workshop erkundeten unter Leitung von Steffen Rörtgen rund 20 Teilnehmende von Hochschulen, Schulträgern, Bildungsplattformen und zivilgesellschaftlichen Initiativen EduFeed: einen dezentralen Ansatz zur plattformunabhängigen Verbreitung von OER, Veranstaltungen und Kalenderdaten auf Nostr-Basis.
Nach einer Live-Demo diskutierte die Gruppe Schmerzpunkte im OER-Ökosystem: aufwändige Schnittstellenarbeit, fehlende Datenhoheit und der Verlust von Inhalten beim Wegfall zentraler Instanzen. EduFeed adressiert genau das – Nutzende behalten Identität und Daten plattformunabhängig.
Besonders lebhaft wurde über Synergien mit ActivityPub und SOLID sowie über Remix, Versionierung und Metriken diskutiert. Mehrere Teilnehmende sahen konkretes Potenzial für eigene Vorhaben – von plattformübergreifenden Kalendern über individuelle Materialbereitstellung bis hin zu eigenen Communities. Dabei identifizierten sie Stolpersteine im Service und äußerten Wünsche für die Weiterentwicklung.
W3: Schulsiegel „Medienkompetente Schule“ – Motivation, Wertschätzung und Qualitätskriterien für eine evidenzbasierte digitale Schultransformation
Referierende: Linda Froese (Institut für Pädagogische Psychologie, TU Braunschweig), Dr. Yves Gensterblum (Akademie der Ruhr-Universität Bochum (POET)), Charlotte Glenz (Arbeits- Organisations- und Wirtschaftspsychologie, Ruhr-Universität Bochum), Pascal Hoffmann (Institut für Allgemeine Didaktik und Schulpädagogik, TU Dortmund),
Adelisa Martinovic (Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie, Georg-August-Universität Göttingen)
Wie können Schulen ihre digitale Entwicklung gezielt und nachhaltig gestalten? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Workshops „W3: Schulsiegel „Medienkompetente Schule“ – Motivation, Wertschätzung und Qualitätskriterien für eine evidenzbasierte digitale Schultransformation“ des Projekts POET. Vorgestellt wurde ein innovatives Konzept: das geplante Schulsiegel „Medienkompetente Schule“.
In einem World-Café wurde dazu an Thementischen rege diskutiert. Schnell wurde deutlich: Ein erfolgreiches Schulsiegel muss mehrere Perspektiven einbeziehen – von Lehrkräften über Schulleitung bis hin zu weiteren schulischen Akteuren. Ebenso wichtig ist eine niedrigschwellige Umsetzung, die sich in bestehende Strukturen wie Medienentwicklungspläne einfügt.
Ein zentrales Ergebnis der Diskussion: Ohne kontinuierliche, bedarfsorientierte Fortbildungsangebote lässt sich digitale Transformation nicht nachhaltig verankern. Genau hier soll das geplante Instrument ansetzen und Schulen gezielt unterstützen.
W4: OER in der (phasenübergreifenden) Lehrkräftebildung – Kollegialer, projektübergreifender Austausch zu Herausforderungen, Gelingensbedingungen und Good Practices

Referierende: Björn Bulizek (Universität Duisburg-Essen Zentrum für Lehrkräftebildung (digiLL_COM)), Dr. Alexandra Habicher (Universität zu Köln, Zentrum für LehrerInnenbildung (digiLL_COM)), Dr. Kathrin Knautz (DLR Projektträger), Matthias Kostrzewa (Ruhr-Universität Bochum, Professional School of Education (digiLL_COM))
Aufbauend auf den Ergebnissen der Arbeitsgruppe „OER in der Lehrkräftebildung (LKB)“ aus dem OE_COM-Transferworkshop und Community-Arbeitstreffen fand der Workshop „W4: OER in der (phasenübergreifenden) Lehrkräftebildung – Kollegialer, projektübergreifender Austausch zu Herausforderungen, Gelingensbedingungen und Good Practices“ mit Projekten statt, die Bezüge zu einer oder mehreren Phasen der Lehrkräftebildung aufweisen. Im Mittelpunkt standen der Austausch über Erfahrungen sowie die Vernetzung zu Herausforderungen und Gelingensbedingungen bei der Implementierung von OER.
In mehreren Arbeitsphasen wurden bestehende Erfahrungen zusammengetragen, erste Ideen für Lösungsansätze und Unterstützungsangebote entwickelt und Inhalte aus dem vorherigen Treffen weitergeführt. Diskutiert wurden dabei insbesondere Fragen zur Förderung der OER-Akzeptanz in allen Phasen der Lehrkräftebildung, zur Anbahnung von Kooperationen sowie zu geeigneten didaktischen Formaten.
Der Workshop machte projektübergreifende Perspektiven sichtbar und setzte die unterschiedlichen Expertisen und Good Practices der beteiligten Projekte im Bereich der Lehrkräftebildung in Beziehung zueinander.
W5: Durch den Dschungel: Navigationshilfen für Praktische OER-Kommunikation zwischen professioneller Öffentlichkeitsarbeit,
Social Media, Machbarkeit und Haltung

Referentinnen: Dr. Christine Kolbe und Heike Gruner (Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) (CO-WOERK))
Dass bereits in der Antragstellung das Arbeitspaket „Öffentlichkeitsarbeit“ mitgedacht wurde, ist für Drittelprojekte eher ungewöhnlich – aber gerade für ein Verbundprojekt wie CO-WOERK unerlässlich, um das Team zusammen zu halten und die geleistete Arbeit sichtbar zu machen, wie zum Beispiel die bundesweite Bewerbung der monatlichen Online-Treffen der Community of Practice.
Im Workshop zeigten Dr. Christine Kolbe und Heike Gruner (Europa-Universität Viadrina Frankfurt), wie die Projektseite von einer reinen Info-Seite zur Info-Schaltzentrale wurde. Sämtliche Inhalte werden jetzt auf der Webseite gebündelt und medienübergreifend über Newsletter, Event-Kalender und diverse Social-Media-Kanäle intern und extern verbreitet und verlinkt.
Am Beispiel des CO-WOERK-Werkstatt-Tages wurde demonstriert, wie ein redaktioneller Inhalt und die passende Graphik für alle Plattformen produziert und mehrfach verwendet werden kann. Während des Praxisteils, in dem die engagierten Teilnehmenden fiktive Social-Media-Posts erstellten, und der Ergebnispräsentation wurde rege diskutiert – allem voran die Frage, welche Plattformen man als kleines Drittmittelprojekt bedienen sollte. Antwort: die Projektwebseite bzw. den Blog und LinkedIn.
W6: Offene Bildungspraktiken in der phasenübergreifenden Lehrkräftebildung

Referentinnen: Lea Grey, Universität Duisburg Essen (digiLL_COM), Joana Kadir, Ruhr-Universität Bochum (digiLL_COM), Dr. Christina Schramm-Serror, RWTH Aachen (MediaLab Lehramt), Dr. Melanie Weitz, Universität zu Köln (digiLL_COM)
Im Workshop „W6: Offene Bildungspraktiken in der phasenübergreifenden Lehrkräftebildung“ wurden offene Bildungspraktiken (OEP) als Ansatz für eine transparente, kollaborative und phasenübergreifende Gestaltung der Lehrkräftebildung vorgestellt. Anhand von Good Practices aus dem Projekt digiLL_COM sowie dem MediaLab Lehramt der RWTH Aachen erhielten die Teilnehmenden Einblicke in Formen der phasenübergreifenden Zusammenarbeit.
Ein Schwerpunkt lag auf den sogenannten Digital Making Places, in denen praktische Erfahrungen in Bereichen wie Lasercutting, 3D-Druck sowie Audio- und Videoproduktion ermöglicht werden. Diese Orte wurden als Schnittstellen beschrieben, die Kooperationen zwischen Universität, Schule und Medienzentren unterstützen.
In der gemeinsamen Arbeit mit Akteurinnen und Akteuren aller Phasen der Lehrkräftebildung wurden Gelingensbedingungen erarbeitet, Barrieren identifiziert und Ansätze diskutiert, wie Offenheit institutionell und didaktisch verankert werden kann. Die Ergebnisse wurden zusammengeführt und sollen in eine Broschüre zur phasenübergreifenden Lehrkräftebildung und OEP einfließen.
W7: Mit einer gemeinsamen Vision voranschreiten? Digitalisierungsprozesse an berufsbildenden Schulen zukunftsorientiert gestalten
Referentinnen: Susanne Enssen, Chantal Mose & Dr. Monique Ratermann-Busse, Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (DiMaBBS)
Im Workshop „W7: Mit einer gemeinsamen Vision voranschreiten? Digitalisierungsprozesse an berufsbildenden Schulen zukunftsorientiert gestalten“ beleuchteten Susanne Enssen, Chantal Mose und Dr. Monique Ratermann-Busse (Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen) die Rolle von Schulträgern als aktive „Ermöglicher“ von Digitalisierungsprozessen an berufsbildenden Schulen. Vor dem Hintergrund der spezifischen Struktur der BBS stand die Frage im Mittelpunkt, wie ein agiles Digitalisierungsmanagement an der Schnittstelle zwischen Landesvorgaben und schulischen Bedarfen gestaltet werden kann.
Ausgehend vom Projekt DiMaBBS erhielten die Teilnehmenden Einblicke in Forschungsergebnisse aus fünf Bundesländern, basierend auf einer Synopse, einer Onlinebefragung und Interviews mit Schulträgervertretungen. Dabei wurden unterschiedliche Entwicklungsstände sichtbar, ebenso wie gemeinsame Zielperspektiven, insbesondere im Hinblick auf eine geteilte Vision digital geprägter Bildung im regionalen Bildungsraum.
Im interaktiven Gallery Walk arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen zu Gelingensbedingungen, Handlungsbedarfen und Engpassfaktoren eines zukunftsfähigen Digitalisierungsmanagements. Die Ergebnisse wurden im Plenum zusammengeführt und gemeinsam eingeordnet. Dadurch entstanden praxisnahe Impulse für strategische Weiterentwicklungen und schulträgerübergreifende Perspektiven.
Vorträge
V1: Wenn Openness für Hürden sorgt – prinzipielle vs. pragmatische Offenheit

Referent: Jöran Muuß-Merholz (Agentur J&K – Jöran und Konsorten)
Das Fantasiewort „slOERken“ bezeichnet ein Phänomen aus dem inneren Kreis von Openness-Communities: Eine Person kritisiert, dass etwas, das zwar offen gedacht ist, nicht offen genug ist. Typische Beispiele betreffen die Verwendung proprietärer Dienste oder kommerzieller Plattformen.
In seinem Vortrag „V1: Wenn Openness für Hürden sorgt – prinzipielle vs. pragmatische Offenheit“ ging Jöran Muuß-Merholz (Agentur J&K – Jöran und Konsorten) auf eine ungewollte Nebenwirkung solcher Bemühungen um maximale prinzipielle Offenheit ein: Die faktische Offenheit wird eingeschränkt, indem neue Hürden für den pragmatischen Zugang aufgebaut werden (vgl. Muuß-Merholz 2024). In grundsätzlichen Debatten um Openness gerät bisweilen aus dem Blick, dass Zugang, also „access“, die Grundlage aller weiterer Freiheiten darstellt. Die Liste der 5V-Freiheiten nach David Wiley setzt also auf eine „nullte“ Stufe auf, die unabdingbar für OER ist: Verfügbarkeit und Zugang.
Der Vortrag illustrierte das Phänomen von faktischen Hürden anhand verschiedener Praxisbeispiele und stellte zentrale Thesen und Lösungsansätze zur Diskussion.
Die verwendeten Folien zum Vortrag zeigen die Gliederung des Vortrags und punktuelle Visualisierungen.
V2: Hochschulübergreifende Kooperation gestalten: Erfahrungen, Erkenntnisse und Grenzen des Aufbaus einer OER-Community für eine inklusive und chancengerechte Primarstufenlehrkräftebildung
Referentin: Dr. Bernadette Bernasconi (Universität Paderborn)
Im Vortrag „V2: Hochschulübergreifende Kooperation gestalten – Erfahrungen, Erkenntnisse und Grenzen des Aufbaus einer OER-Community für eine inklusive und chancengerechte Primarstufenlehrkräftebildung“ stellte Dr. Bernadette Bernasconi (Universität Paderborn) die Ausgangspunkte, Ziele, vorläufigen Ergebnisse sowie Weiterentwicklungs- und Transfermöglichkeiten aus zwei Jahren PrimOER vor.
Dabei wurde reflektiert, wie eine Kultur des Teilens die Kooperation und Professionalisierung von Hochschullehrenden mit der Kompetenzentwicklung von Studierenden und den Bildungschancen für Kinder verbinden kann. Zudem wurden notwendige Rahmenbedingungen für Kooperationen aufgezeigt. Auf Basis der Ergebnisse sind Kriterien für die Qualität von Kooperation in der Grundschullehrkräftebildung dargestellt worden, die sich auf andere Netzwerke übertragen lassen. In der anschließenden Diskussion wurden u.a. Fragen zur Verbesserung von Hochschullehre durch Kooperation, zum Ablauf der Kooperation im Projekt und zu Nutzungsweisen von OER erörtert.
V3: KI von der Spitzenforschung in die Schule – ein holistischer Ansatz

Referent: Dr. Steffen Schneider (KI macht Schule)
In seinem Vortrag „V3: KI von der Spitzenforschung in die Schule – ein holistischer Ansatz“ stellte Dr. Steffen Schneider (KI macht Schule) aktuelle Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen im schulischen Kontext vor. Dabei wurde herausgearbeitet, dass für ein fundiertes Verständnis von KI neben der Anwendung generativer Systeme insbesondere auch technische Grundlagen sowie ethische Fragestellungen relevant sind.
Der Beitrag gab einen Überblick über praxisnahe Ansätze zur Integration von KI-Kompetenzen in verschiedene Schulfächer und zeigte auf, wie entsprechende Bildungskonzepte gestaltet werden können. Ergänzend wurden infrastrukturelle Voraussetzungen thematisiert, die Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler beim nachhaltigen Aufbau von KI-Kompetenzen unterstützen können.
V4: Ohne Kompass durchs Gestrüpp? – Qualitätskriterien für Orientierung im OER-Dschungel

Referierende: Philip Angelina (FAU Erlangen Nürnberg),
Dr. Laura Mößle (Goethe Universität Frankfurt (FOERBICO))
In ihrem Vortrag „V4: Ohne Kompass durchs Gestrüpp? – Qualitätskriterien für Orientierung im OER-Dschungel“ stellten Laura Mößle (Goethe Universität Frankfurt) und Phillip Angelina (FAU Erlangen Nürnberg) die im Projekt FOERBICO entwickelten Qualitätskriterien für OER vor und beleuchteten deren Entstehung, Anwendung und Weiterentwicklung.
Zu Beginn wurden die Teilnehmenden gebeten, eine konkrete Herausforderung bzw. „Stolperstelle“ zu benennen, die ihnen im Umgang mit OER begegnet ist. Anschließend führten die Vortragenden in die OER-Qualitätskriterien ein. Diese umfassen vier Dimensionen – didaktisch-pädagogische, rechtliche, technische sowie religionspädagogische Aspekte – und dienen als strukturierender Orientierungsrahmen für Reflexion und Qualitätsentwicklung.
Die Qualitätskriterien wurden nicht nur theoretisch besprochen, sondern mit den Teilnehmenden auf ihre jeweilige “Stolperstelle” angewandt. Die Rückmeldungen und Eindrücke aus der Gruppe halfen dabei, Chancen und Grenzen der Kriterien aufzuzeigen und ermöglichten zugleich eine gemeinsame Weiterarbeit.
Meetups
M1: Mit der OER-Anreizematrix die eigene Zielgruppe verstehen und gezielt aktivieren
Referentinnen: Silvia Retzlaff (Universität Rostock), Nancy Walter (Universität Potsdam)
Im Meetup „M1: Mit der OER-Anreizmatrix die eigene Zielgruppe verstehen und gezielt aktivieren“ stand die Frage im Zentrum, was Personen in unterschiedlichen Phasen der OER-Nutzung und -Erstellung bewegt und wie Support-Gebende gezielt unterstützen können.
Nach einer Einführung in Aufbau und Genese der Matrix erläuterten Silvia Retzlaff (Universität Rostock) und Nancy Walter (Universität Potsdam) die Verbindung von Adoptionsphasen – von Awareness bis Integration – mit vier Anreizkategorien: immateriell, materiell, strukturell und sozial. Es wurde deutlich: Personen benötigen in unterschiedlichen Phasen verschiedene Anreize.
Anschließend ordneten die Teilnehmenden eigene Maßnahmen und Erfahrungen in die Matrix ein. Die Beiträge reichten von Informations- und Beratungsformaten über Austauschgelegenheiten bis hin zu strukturellen Hilfen wie Einführungen in Plattformen. Sichtbar wurde die Matrix als Werkzeug für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, um Zielgruppen genauer zu verstehen, blinde Flecken zu erkennen und OER-Maßnahmen passender zu planen.
M3: Community-Plattformen in der Lehrkräftebildung
Referenten: Alexander Fenzl & Christian Müller (Universität Passau (moreBNE))
Im Meetup „M3: Community-Plattformen in der Lehrkräftebildung“ tauschten sich die Teilnehmenden nach einer kurzen Vorstellung des Passauer Uni-Schule-Hubs (PUSH) durch das Projekt moreBNE lebhaft über die Gestaltung von Community-Plattformen für die Lehrkräftebildung aus. Einigkeit herrschte darin, dass neben großen staatlichen Bildungsplattformen auch kleinere, themenspezifische Vernetzungsräume für Akteure notwendig sind.
Diese kleineren, oft regional verankerten Plattformen – wie PUSH – wurden ausdrücklich als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zu bestehenden Systemen betrachtet. Zudem können sie in der Lehrkräftebildung als geschützte Lernumgebungen dienen, um OER-Kompetenzen (zur Arbeit mit Open Educational Resources) zu erproben – im Gegensatz zu öffentlichen ‚Großplattformen‘.
Weitere Themen waren die Chancen dezentraler Bildungsnetzwerke für mehr Unabhängigkeit und Agilität sowie die Vernetzung bestehender Plattformen. Letzteres wurde als wichtig, aber noch als ungelöst eingestuft.
M4: Gemeinsam durchstarten: OER-Sprints als kollaboratives Arbeitsformat

Referierende: Daniel Diekmann (ORCA.nrw), Silvia Czerwinski (TIB (twillo)), Johannes Koch (Universität Osnabrück (twillo)), PD Dr. Markus Deimann
Im Meetup „M4: Gemeinsam durchstarten: OER-Sprints als kollaboratives Arbeitsformat“ diskutierten Johannes Koch (Universität Osnabrück/twillo), Daniel Diekmann und PD Dr. Markus Deimann (ORCA.nrw) mit acht Teilnehmenden über Gelingensbedingungen für OER-Sprints. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Lehrende in einem strukturierten, zeitlich begrenzten Prozess von der Idee bis zur fertigen OER begleitet werden können.
Deutlich wurde: Damit Teilnehmende sich auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren können, braucht es verlässliche Unterstützung bei Organisation, Redaktion, Lizenzfragen, Veröffentlichung und Nachnutzbarkeit. Die Teilnehmenden brachten eigene Erfahrungen ein und diskutierten unterschiedliche Wege der erfolgreichen Ansprache von interessierten Lehrenden.
Ein Ansatz besteht darin, interessierte Personen zunächst anzusprechen, anschließend zusammenzubringen und daraus passende Themen zu entwickeln. Ein anderer Weg startet mit einem konkreten Thema oder einer identifizierten Lücke und sucht anschließend gezielt Lehrende, die dieses Thema gemeinsam bearbeiten möchten. Beide Ansätze bieten Chancen, stellen aber unterschiedliche Anforderungen an Matching, Motivation und Prozessgestaltung.
M5: proTironeComputatri: Freie Lehr- und Lerndokumente für die Ausbildung zur Fachinformatikerin an Berufsschulen
Referent: Karsten Reincke (Gewerbliche Schulen Dillenburg)
Im Meetup „M5: proTironeComputatri: Freie Lehr- und Lerndokumente für die Ausbildung zur Fachinformatikerin an Berufsschulen“ stand die berufliche Bildung im Zentrum. Karsten Reincke diskutierte mit den Teilnehmenden über offene Unterrichtsmaterialien in der beruflichen Bildung und die Potenziale kollaborativer OER-Entwicklung.
Ausgangspunkt war sein Projekt, mit dem er Unterrichtsmaterialien zur Fachinformatik an den Gewerblichen Schulen Dillenburg frei zugänglich macht.
Im Austausch wurden Fragen zur nachhaltigen Erstellung, Pflege und Weiterentwicklung offener Materialien sowie zu den Chancen von Open-Source-Praktiken im Bildungsbereich thematisiert. Karsten Reincke gab Einblicke in die Organisation der Inhalte auf GitHub, die Veröffentlichung unter der Lizenz CC BY 4.0 und seine bisherigen Erfahrungen mit der kollaborativen Nutzung und Anpassung der Materialien im Unterricht.
Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmenden über Voraussetzungen für gemeinsame Materialentwicklung, rechtliche und organisatorische Aspekte der Nachnutzung sowie Perspektiven einer stärkeren Beteiligung von Lehrkräften an offenen Bildungsressourcen.
M6: Was läuft gut? Wo liegt das Problem? – Austausch über Bedarfe und Synergien von OER-Infrastrukturen

Referierende: Prof. Dr. Konrad Faber, Dr. Susanne Friz & Constanze Reder-Knerr (FWU Institut für Film und Bild in Unterricht und Wissenschaft gGmbH)
Sieben Teilnehmende, zwölf Postkarten und eine Wand voller Ideen: Beim MOERFI-Meet-up wurden Themenkarten zunächst still gesammelt und anschließend gemeinsam geclustert. Besonders dort, wo Themen nicht eindeutig zusammenpassten, entstanden spannende Diskussionen.
Vier zentrale Erkenntnisse aus dem Austausch:
• Interoperabilität ist kein Technik-, sondern ein Kooperationsprojekt. Gemeinsame Standards entstehen durch Zusammenarbeit. Und: auch benennen, was sich nicht lösen lässt – und stattdessen einen neuen medialen Habitus fördern. Denn Software- und Gerätewechsel sind in digitalisierten Lernabläufen Realität.
• Qualität ist individuell. Warum werden OER oft strenger bewertet als Verlagsmaterialien? Lehrende sollten darin bestärkt werden, Qualitätsmaßstäbe für ihre jeweiligen Kontexte selbst zu entwickeln.
• Offenheit ist persönlich. Da Lernprozesse auch intime Aspekte haben können, braucht Offenheit geschützte Räume und einen respektvollen Umgang miteinander.
• Community-Management ist herausfordernd, aber notwendig. Besonders groß ist der Beratungsbedarf bei rechtlichen Fragen und KI-Grundlagen – Themen, die sich nicht allein über Newsletter vermitteln lassen.
OE_COMmunity Forum – Projekte, Perspektiven, Partnerschaften
Im anschließenden OE_Community-Forum rückte der Austausch innerhalb der OER-Community in den Mittelpunkt. Teilnehmende kamen mit Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern aus den geförderten Projekten der OE_COM-Förderlinie ins Gespräch, teilten Erfahrungen, diskutierten Ideen und knüpften neue Kontakte für künftige gemeinsame Wege. Die Projekte selbst dienten dabei als Orientierungspunkte im OER-Dschungel: Auf Postern machten sie aktuelle Entwicklungen, erste Ergebnisse und kommende Etappen sichtbar.


Abendessen und offener Ausklang
Am Abend begannen die Lagerfeuer-Gespräche. Beim gemeinsamen Abendessen und dem offenen Ausklang bot sich reichlich Gelegenheit zum Kennenlernen, Austauschen und Netzwerken. Zwischen der „Knipskiste“ für spontane Dschungel-Schnappschüsse, der „Match-Box“ zum Tauschen von Suche-und-Biete-Angeboten und persönlichen Einblicken aus dem „Nähkästchen“ wurde nicht nur diskutiert, sondern auch gespielt und ausprobiert. Ein Kicker, eine Tischtennisplatte und ein Basketballkorb boten Gelegenheit für gemeinsame Aktivitäten, lockere Gespräche und ein besseres Kennenlernen jenseits des offiziellen Programms und wurden gut genutzt.


29.04.2026
Zweiter Konferenztag
Sessions II
Nach einer kurzen Lagebesprechung im Basislager führte das Programm die Teilnehmenden erneut in Workshops, Vorträge und Meetups durch den OER-Dschungel. Ein besonderes Highlight war das erstmals als Live-Event ausgerichtete Pitch-Event der OE_Space: Rund 30 mutige Entdeckerinnen und Entdecker brachten ihre innovativen Ideen auf die Bühne und pitchten im Rahmen des Ideenwettbewerbs um eine Förderung. In jeweils einer Minute stellten sie ihre Vorhaben vor. Direkt im Anschluss stellte die Jury pro Beitrag zwei Minuten lang Rückfragen, während das Publikum parallel über die Ideen abstimmen konnte. Das Voting floss in die finale Auswahl der Jury ein, die direkt am Folgetag stattfand.
OE_Space Pitch Event
Innovative Ideen, starke Visionen und echte Infrastruktur-Lösungen für offene Bildung: Beim OE_Space Pitch-Event präsentierten ausgewählte Teams ihre Ideen für die Weiterentwicklung offener Bildungsinfrastrukturen im Rahmen der Rahmenbekanntmachung OE_Space. In kompakten Pitches wurde gezeigt, wie OER und offene Bildungspraktiken technisch besser vernetzt, zugänglicher und wirksamer gestaltet werden können.
Das Publikums erhielt zudem die Möglichkeit, eine kurze Bewertung der Projekte abzugeben. Das Feedback floß in die Auswahlsitzung ein und trug dazu bei, welche Vorhaben gefördert werden.









Workshops
W8: Quick Wins für offene Bildung: OER mit KI neu aufbereiten

Referentin: Leonie Barenbrock (matrix gGmbH (MINT-Campus))
Im Workshop von Leonie Barenbrock vom MINT-Campus (matrix gGmbH) waren die Teilnehmenden eingeladen, ihr eigenes Material mitzubringen und direkt zu bearbeiten. Wer wollte, passte Texte für neue Zielgruppen an, visualisierte Inhalte oder entwickelte spielerische Einstiege.
In einer Art Selbstlernparcours wurden insgesamt neun Stationen angeboten, die im Nachgang auch im Digitalen auf dem MINT-Campus erreicht werden können. Was dabei in Gruppen oder Einzelarbeit entstanden ist, war eine ausgewogene Mischung: Inspirierende „Wetterspiele“ für die Meteorologie-Lehre, ein Podcast aus einem Handout für die Lehramtsfortbildung sowie erste interaktive Ideen für rechtswissenschaftliche OER-Bücher. Die Gruppe diskutierte aber auch generierte Klimabilder und stellte im fachlichen Austausch fest, dass sie unpassend waren.
Als besonders gelungen wurde der Wechsel aus interessantem Austausch und konzentrierten Ausprobierphasen empfunden. Angesprochen wurde „was geht“, wie die Rechtslage bei Bildern ist und wo die „Quick Wins“ tatsächlich liegen. Die Idee, KI-gestützte Materialerstellung in kleine, überschaubare Schritte zu zerlegen und mit Beispielprompts anzubieten, wurde dabei als hilfreiches Vorgehen wahrgenommen und direkt als Anregung für eigene Projekte
mitgenommen. Eine weitere wichtige Feststellung: Den Kontext in den Prompts zu
variieren und zu konkretisieren, bringt enorme inhaltliche Qualitätsunterschiede.
Das Fazit der Gruppe: KI kann ein wertvoller Sparringspartner für die Entwicklung kreativer Ideen und spielerischem Perspektivwechsel sein. Hier gibt es echte „Quick Wins“. Die Feinarbeit am
Material liegt aber im Detail. Und das benötigt vor allem eines: Zeit.
W9: OER im Blick als Rundum-Sorglos-Unterrichtspaket zur Sofortanwendung | Anforderungen und Spezifikationen an ein OERDateiformat „Unterricht“

Referent: Matthias Bergbauer (Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB))
Im Workshop „W9: OER im Blick als Rundum-Sorglos-Unterrichtspaket zur Sofortanwendung | Anforderungen und Spezifikationen an ein OER-Dateiformat ‚Unterricht‘“ wurde unter Leitung von Matthias Bergbauer (Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB)) diskutiert, welche Anforderungen ein zukünftiges OER-Dateiformat „Unterricht“ im Kontext von AIS und Education Hub erfüllen sollte. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Unterrichtsmaterialien, Metadaten und didaktische Hinweise oder Regieanweisungen bislang häufig getrennt vorliegen und dadurch Nutzung, Anpassung und Weitergabe erschwert werden.
Gemeinsam wurden technische und didaktische Perspektiven zusammengeführt – von Interoperabilität, offenen Formaten und editierbaren Materialien bis hin zu Lehrplanbezug, Regieanweisungen, Differenzierung, Lernweg-Visualisierung und selbstgesteuertem Lernen. In intensiven Diskussionen entstand das Bild eines modularen, adaptierbaren „Unterrichtspakets“, das Inhalte, Didaktik und rechtliche Transparenz zusammenführt und plattformübergreifend nutzbar bleibt.
W10: HackathOERn x MOERFI: Orientierung im OER-Jungle – Von OER-Herausforderungen zu tragfähigen Lösungen – Infrastruktur, Praxis und Mapping zusammendenken

Referierende: Jason Mansour (Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH (GWDG) (HackathOERn)), Anna Neuenfeld (edu-sharing.net e. V. (HackathOERn)), Kathrin Rabsch (edu-sharing.net e. V. (HackathOERn)), Constanze Reder-Knerr (Virtueller Campus Rheinland-Pfalz (VCRP) (MOERFI))
Im Workshop „W10: HackathOERn x MOERFI: Orientierung im OER-Jungle – Von OER-Herausforderungen zu tragfähigen Lösungen – Infrastruktur, Praxis und Mapping zusammendenken“ sprachen Beteiligte der Projekte HackathOERn und MOERFI gemeinsam mit den Teilnehmenden über Herausforderungen und Lösungsansätze im Kontext von OER-Infrastrukturen.
Besonders im Fokus standen Qualitätsindikatoren für OER sowie die Frage, wie OER-Infrastrukturen so gekennzeichnet bzw. sichtbar gemacht werden können, dass Lehrende, Portalbetreibende und Entscheidungstragende den Überblick gewinnen – und behalten. Dabei wurde unter anderem über das Spannungsfeld zwischen Individualität und Sicherheit in Bezug auf die Qualität von OER, die kontinuierliche Förderung von Offenheit sowie Orientierung für OER-Erstellende gesprochen.
W11: The Rise of the Sleeping Lion: Wie können wir Open Education künftig als Bündnis Freie Bildung stärken?
Referierende: Sarah-Isabella Behrens, Susanne Grimm, Laurin Hagemann & Christine Kolbe (Bündnis Freie Bildung)
Der Workshop „W11: The Rise of the Sleeping Lion: Wie können wir Open Education künftig als Bündnis Freie Bildung stärken?“ des Bündnisses Freie Bildung widmete sich der Frage, wie Open Education in Deutschland langfristig gestärkt und nachhaltig verankert werden kann. Ausgangspunkt waren die Entwicklungen der vergangenen Jahre: Mit der nationalen OER-Strategie, bundesweiten Förderprogrammen und zahlreichen Projekten ist es gelungen, offene Bildung stärker in die Bildungspraxis zu bringen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete die engagierte und gut vernetzte Community, die Open Education zunehmend als zukunftsweisenden Ansatz im bildungspolitischen Diskurs etabliert hat.
Vor dem Hintergrund auslaufender Förderprogramme diskutierten die Teilnehmenden gemeinsam über zukünftige Herausforderungen und Perspektiven. Im Mittelpunkt standen die Bedarfe der Community, mögliche strukturelle Verankerungen sowie strategische Schwerpunkte für die kommenden Jahre. Der Workshop bot dafür einen offenen Denk- und Arbeitsraum für Akteurinnen und Akteure aus Community, Politik und Verwaltung.
Ziel des Workshops war es, gemeinsame Ansätze für eine tragfähige bildungspolitische Agenda zu entwickeln und konkrete Maßnahmen für die zukünftige Ausrichtung des Bündnisses Freie Bildung zu skizzieren. Dabei wurde deutlich, dass nachhaltige Strukturen, Vernetzung und politische Unterstützung entscheidend dafür sind, Open Education auch künftig wirksam zu gestalten und zu leben.
W12: Pädagogisches Making im Kontext von OER, OEP und BNE: Potenziale und Herausforderungen
Referierende: Petra Mayrhofer (Universität Passau (moreBNE)), Michael Lachetta (Bergische Universität Wuppertal (OERLe)), Charlot Hoffmann (Universität Potsdam (OERLe)), Miriam Kuckuck (Bergische Universität Wuppertal (OERLe)), Anne-Kathrin Lindau (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (OERLe)), Christian Haase (Universität Passau (Projekt moreBNE))
In dem von den beiden OE_COM-Projekten moreBNE und OERLe gemeinsam angebotenen Workshop „W12: Pädagogisches Making im Kontext von OER, OEP und BNE: Potenziale und Herausforderungen“ erfolgte der Einstieg nach einer kurzen Vorstellung mit der Frage, was Making für die Teilnehmenden bedeutet. Die Antworten wurden in einem Input aufgegriffen, der den konstruktivistisch-handlungsorientierten Lernansatz des pädagogischen Makings näher beleuchtete und in Bezug zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) brachte. Daran anknüpfend wurden der physische MakerSpace der Lehrkräftebildung der Universität Passau und der hybride Makerspace VReiraum der Universität Potsdam vorgestellt.
In einer längeren Hands-On-Phase konnten sich die Teilnehmenden an verschiedenen Workshop-Tischen aktiv mit einzelnen Aspekten von Making bzw. BNE im Kontext von OER/OEP auseinandersetzen, Herausforderungen ergründen und sich der Frage widmen, wie Making bzw. BNE gestaltet werden kann, damit es die Entstehung, Nutzung und Weiterentwicklung von OER sowie das Etablieren von OEP wirksam fördern kann.
Vorträge
V5: Soziale NetzwOERke – Warum Social Media im OER-Ökosystem mehr als Reichweite schaffen kann
Referentin: Dr. Christine Kolbe (Europa Universität Viadrina (Co-WOERK))
In ihrem Vortrag „V5: Soziale NetzwOERke – Warum Social Media im OER-Ökosystem mehr als Reichweite schaffen kann“ adressierte Dr. Christine Kolbe (Europa Universität Viadrina) als Social-Media-Verantwortliche des Projekts Co-WOERK, noch einmal tiefer das Spannungsfeld, in dem sich Bildungsprojekte auf kommerziellen Social-Media-Plattformen bewegen.
Ihre zentrale These: Social Media kann im Ökosystem offener Bildung für die Bereiche Sensibilisierung, Awareness und Policy eine zentrale Rolle spielen und hier mehr als Reichweite schaffen. Es geht vor allem um Vernetzung, um Dokumentation und das Sichtbarmachen von Kooperationen und damit auch um Team- und Communitybuilding.
Wenn die guten Argumente und Geschichten rund um offene Lehr- und Lernpraxen auch auf den beliebten Social-Media-Kanälen immer wieder und neu erzählt werden, kann das einen Beitrag leisten, offene und freie Bildung bekannter und beliebter zu machen und in institutionellen Strukturen zu verankern. Die Open-Education-Community sollte sich aber immer auch ehrlich die Frage stellen, ob und wie sich Offenheit auf proprietären Plattformen überhaupt leben lässt. Empfehlung und Appell der Referentin: Mit kritischer Social-Media-Arbeit, wie es etwa das Bündnis Bits & Bäume vorschlägt, und diskriminierungskritischer Sorgfalt und Haltung können wir dem Spannungsfeld „Gated Commons“ gut begegnen.
Der Vortrag ist als OER verfügbar. Er knüpfte an den Workshop „W5: Durch den Dschungel: Navigationshilfen für Praktische OER-Kommunikation zwischen professioneller Öffentlichkeitsarbeit, Social Media, Machbarkeit und Haltung“ an.
V6: Offene Prüfungsformate statt Abgabeschublade. Ein Input und Austausch über alternative Leistungsnachweise an Hoch- und Berufsschulen
Referentinnen: Dr. Christin Barbarino (Europa-Universität Viadrina), Gesina Seyfert (Hochschule Neubrandenburg (Co-WOERK))
Der Vortrag „V6: Offene Prüfungsformate statt Abgabeschublade. Ein Input und Austausch über alternative Leistungsnachweise an Hoch- und Berufsschulen“ startete bei folgendem Ausgangspunkt: Hausarbeiten, Präsentationen, Projekte werden in der Regel abgegeben, bewertet – und verschwinden.
Die beiden Referentinnen Dr. Christin Barbarino (Europa-Universität Viadrina) und Gesina Seyfert (Hochschule Neubrandenburg) schlugen einen Bogen von der Kritik an rein summativen punktuellen Prüfungen hin zu prozessorientierten und studienbegleitenden OEP-Formaten, in denen Studierende etwas schaffen, das sichtbar bleibt und weitergenutzt wird. Die Praxisbeispiele reichten von interaktiven Büchern im Studiengang Soziale Arbeit an der Hochschule Neubrandenburg bis hin zur Portfolio-Arbeit mit der Software Mahara in der Peer-Tutoring-Ausbildung am Zentrum für Lehre und Lernen der Europa-Universität Viadrina.
Für die deutsche Hochschulperspektive besonders spannend war der Blick auf das Prinzip „Ungrading“, das konventionelle Benotungssysteme grundsätzlich hinterfragt, weil sie intrinsische Motivation hemmen und den Fokus auf Produkte statt Prozesse lenken. In der Diskussion stand auf der Pro-Seite die Vision einer offenen Lernkultur. Formate wie die Erstellung von OER, wiederkehrende Selbsteinschätzungen und Abschlussgespräche aber erfordern auch einen höheren Betreuungsaufwand und sind eher mit Masterstudierenden umsetzbar.
V7: Hack your education – Jugendliche Perspektiven auf Bildung

Referent: Nils Deventer (Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. und jugendliche Teilnehmende von Jugend hackt)
Im Vortrag „V7: Hack your education – Jugendliche Perspektiven auf Bildung“ stellte Nils Deventer (Open Knowledge Foundation Deutschland e. V.) gemeinsam mit jugendlichen Teilnehmenden das Programm „Jugend hackt“ sowie das im Rahmen der OER-Strategie geförderte Projekt „Hack your education“ vor. Ergänzend wurden zentrale Ergebnisse der Jugendkonferenz „Beyond Education“ präsentiert.
Im Mittelpunkt standen dabei die Visionen, Forderungen und Ideen junger Menschen für eine zeitgemäße, offene und partizipative Bildung. Darüber hinaus wurden Projektideen und Prototypen aus einem Bildungshackathon vorgestellt, die von den Teilnehmenden selbst entwickelt wurden.
Die Jugendlichen aus „Jugend hackt“ gaben persönliche Einblicke in ihre Arbeiten, ihre Motivation sowie ihre Erfahrungen im Entwicklungsprozess. Insgesamt wurde deutlich, welches Potenzial in jugendlichen Perspektiven und offenen Aktivitäten für die Weiterentwicklung von Bildungsansätzen und der OER-Community liegt.
V8: Verborgene Schätze der beruflichen Bildung – MIKA OER im Dschungel der Transformation

Referierende: Dr. Sebastian Anselmann & Stefanie Weyh, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) (MIKA)
Der Vortrag „V8: Verborgene Schätze der beruflichen Bildung – MIKA OER im Dschungel der Transformation“ von Dr. Sebastian Anselmann und Stefanie Weyh (Bundesinstitut für Berufsbildung) analysierte die berufliche Bildung als komplexes, heterogenes System, das durch digitale Transformation, Künstliche Intelligenz und Open Educational Resources (OER) tiefgreifend verändert wird.
In der Metapher eines Dschungels wurden die unterschiedlichen drei Lernorte als eigenständige Kulturen dargestellt, die jeweils eigenen Logiken folgen. Während schulische Lernorte durch formale Vorgaben geprägt sind, dominieren im betrieblichen Kontext informelle und produktionsorientierte Lernprozesse. MIKA-DO zielt auf eine digitale Infrastruktur, die Lernortkooperation durch gemeinsame OER-Erstellung und damit zugleich medienpädagogische Kompetenzen unterstützt. Die Integration KI-basierter Funktionen soll eine effizientere und qualitativ verbesserte Entwicklung von Lernmaterialien ermöglichen. Als zentraler Befund wurde die verstärkte Lernortkooperation hervorgehoben, die als Voraussetzung für eine zukunftsfähige und vernetzte Berufsbildung gilt.
Meetup
M7: Qualität, Offenheit und KI – Neue Herausforderungen für offene Lehrmaterialien
Referent: Alexander Klein, Universität Tübingen (ZOERR)
Das von Alexander Klein (Universität Tübingen, ZOERR) geleitete Meetup „M7: Qualität, Offenheit und KI – Neue Herausforderungen für offene Lehrmaterialien“ thematisierte Qualität, Offenheit und KI bei offenen Lehrmaterialien. Im Mittelpunkt stand die These, dass OER und Repositorien mit Redaktionssystemen helfen können, wissenschaftliche Qualitätsstandards für KI-angereicherte Inhalte durch Peer-Review, Metadaten, Freigabeworkflows und transparente Kennzeichnung von KI-Einsatz zu sichern.
Die vorgestellten Thesen beinhalteten außerdem, dass Hochschulen klare Leitlinien für KI und OER brauchen – etwa zu Quellenangaben, Vier-Augen-Prinzip, Versionierung und Lizenztransparenz. Repositorien und Redaktionssysteme sollen dabei nicht nur Veröffentlichung ermöglichen, sondern auch formale und technische Qualität prüfen und nachvollziehbar machen.
In der anschließenden Diskussion stand besonders der Begriff „Qualität“ im Fokus: Die Teilnehmenden diskutierten, wie Qualität bei teilweise KI-generierten Texten und Bildern überhaupt verlässlich geprüft und definiert werden kann. Dabei ging es auch um die Frage, wie Offenheit, wissenschaftliche Integrität und rechtliche Sicherheit zusammengebracht werden können.
M8: Barcamp Meetup – Austausch zum Barcamp Format
Referierende: Frank Homp & Karoline Lorscheider Agentur J&K (OERcamp)
Im Meetup „M8: Barcamp Meetup – Austausch zum Barcamp Format“ tauschten sich Frank Homp und Karoline Lorscheider (Agentur J&K – Jöran und Konsorten) mit den Teilnehmenden über Erfahrungen, Erwartungen und Fragen rund um das offene Veranstaltungsformat Barcamp aus. Im Mittelpunkt stand die gemeinsame Reflexion darüber, was Barcamps auszeichnet und warum sie trotz – oder gerade wegen – ihrer offenen und dynamischen Struktur als produktive Räume für Austausch, Lernen und Zusammenarbeit wahrgenommen werden.
Die Teilnehmenden brachten unterschiedliche Perspektiven ein – von erfahrenen Barcamp-Gestaltenden bis hin zu Personen, die bisher wenig Berührung mit dem Format hatten. Diskutiert wurden unter anderem die besondere Atmosphäre und Dynamik von Barcamps, Chancen und Herausforderungen offener Formate sowie Fragen zur aktiven Teilnahme, Moderation und Organisation.
Das Meetup bot Raum für persönlichen Erfahrungsaustausch und machte deutlich, wie Barcamps Vernetzung, Beteiligung und gemeinsames Lernen fördern können.
M9: OER international?!
Referierende: Matthias Bockhold & Eva Zimmermann (DLR Projekträger)
Im Meetup „M9: OER international?!“ wurde unter der Leitung von Matthias Bockhold und Eva Zimmermann (DLR Projektträger) die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit im Bereich OER diskutiert und ein Blick über nationale Perspektiven hinaus geworfen. Im Mittelpunkt standen Fragen danach, welche Chancen internationale Kooperationen für offene Bildungsressourcen bieten und wie verschiedene Bildungsbereiche sowie thematische Schwerpunkte davon profitieren können.
Die Teilnehmenden tauschten sich unter anderem zu Potenzialen internationaler Netzwerke in der beruflichen Bildung und Hochschulbildung sowie zu Themen wie Nachhaltigkeit, Künstliche Intelligenz und Mobilität aus. Diskutiert wurden bestehende Kooperationsansätze, Möglichkeiten gemeinsamer Entwicklung und Nutzung von OER sowie Herausforderungen grenzüberschreitender Zusammenarbeit.
Die Beteiligten brachten insbesondere Perspektiven aus der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit ein und diskutierten gemeinsam mit OER-erfahrenen Personen aus Praxis, Wissenschaft und Verwaltung über Perspektiven für stärkere internationale Vernetzung und Kooperation.
M10: Interaktivität und Individualisierung bei OER – Wie können wir das in Repositorien abbilden
Referentin: Verena Zimper (Universität Tübingen (ZOERR))
Im von Verena Zimper (Universität Tübingen, ZOERR) geleiteten Meetup „M10: Interaktivität und Individualisierung bei OER – Wie können wir das in Repositorien abbilden“ wurde gemeinsam mit den Teilnehmenden die zunehmende Entwicklung hin zu stark individualisierten und interaktiven OER-Formaten diskutiert. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass bei der Redaktion und der OER-Beratung des ZOERR vermehrt Projekte eingehen, die über klassische Materialien hinausgehen – etwa strukturierte Selbstlerneinheiten oder begleitende Software und Apps mit zusätzlichem Hostingbedarf.
Im Mittelpunkt stand ein offener Austausch darüber, wie diese Entwicklung im OER-Ökosystem wahrgenommen wird und welche Erwartungen damit an Repositorien verbunden sind. Dabei wurden unterschiedliche Perspektiven auf Qualität, Aufwand und technische wie organisatorische Grenzen solcher Angebote eingebracht.
Zudem diskutierten die Teilnehmenden, welche Anpassungen und Weiterentwicklungen für Plattformen notwendig sein könnten, um mit diesen Anforderungen umzugehen und OER-Infrastrukturen langfristig tragfähig zu gestalten.
M11: Research-Practice-Partnerships mit Schulträgern initiieren: Anlässe, Zugänge und Lessons Learned

Referierende: Annekatrin Bock, Stefanie Brunner, Björn Hermstein, Alexander Lang, Johannes Lünenschloß, Franco Rau & Christin Tellisch (Universität Vechta (TOBIS))
Das Meetup „M11: Research-Practice-Partnerships mit Schulträgern initiieren: Anlässe, Zugänge und Lessons Learned“ bot eine Einführung zu Research-Practice-Partnerships (RPP) als Form der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis. Diese hat zum Ziel, Lücken in Wissensbeständen und der Wissensanwendbarkeit zwischen Wissenschaft und Praxis zu überbrücken. Unter Leitung des Teams des Projekts TOBIS wurde das Vorgehen zur Anbahnung und Durchführung von RPPs anhand von zwei Beispielen vorgestellt:
1) Ein RPP der Universitäten Vechta und Nürnberg entwickelt Instrumente zur Qualitätssicherung digitaler Materialien. Es wird untersucht, wie rechtliche, technische und didaktische Qualitätskriterien gemeinsam definiert und in der Praxis umgesetzt werden können.
2) Ein RPP der Ostfalia Hochschule fokussiert Steuerungsprozesse der Digitalisierung des Bildungssystems und entwickelt gemeinsam mit den Schulträgern (ST) ein Leistungs- und Qualitätsverständnis.
Dabei wurde unter anderem der Aufwand und Nutzen für die ST, die oft ein hohes Interesse an der Vernetzung mit anderen ST zeigen, diskutiert. Gerade die oft recht unterschiedlichen Ausgangssituationen bei den ST sind eine gute Grundlage für fruchtbaren Austausch und Weiterentwicklung, gerade auch in Formaten wie den RPPs.
M12: Data session OE_Struktur: Ein Austausch zu ersten Befunden der Förderlinie
Referierende: Annekatrin Bock (Universität Vechta), Christian Scherner (Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau), Alexandra Simon (TU Dresden)
In dem von den Projekten ODIkS und TOBIS ausgerichteten Meetup „M12: Data session OE_Struktur: Ein Austausch zu ersten Befunden der Förderlinie“ diskutierten die Teilnehmenden empirische Erkenntnisse zur Rolle von Schulträgern in der digitalen Transformation von Schule. Ziel war es, Befunde aus verschiedenen Projekten zusammenzuführen und Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie methodische Herausforderungen sichtbar zu machen.
Ausgehend von kurzen Impulsen tauschten sich die Beteiligten über unterschiedliche Forschungszugänge und erste Ergebnisse aus. Thematisiert wurden unter anderem verschiedene Verständnisse von Digitalisierung und OER sowie Spannungsfelder zwischen regionalen, schulformspezifischen und trägerbezogenen Perspektiven.
Zudem bot das Meetup Raum für methodische Diskussionen zu Interviewfragen und Auswertungskategorien. Praktikerinnen, Praktiker und Forschende brachten dabei unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen in den Austausch ein.
M13: Souverän, offen, handlungsfähig? OER als Instrument digitaler Souveränität
Referierende: Johannes Koch (Universität Osnabrück (twillo)), Noreen Krause (TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften)
Im Meetup „M13: Souverän, offen, handlungsfähig? OER als Instrument digitaler Souveränität“ diskutierten Johannes Koch und Noreen Krause von twillo mit den Teilnehmenden über Handlungsspielräume, Grenzen und Mehrwerte von OER im Kontext digitaler Souveränität. Ausgangspunkt war die Frage, wie Hochschulen fundierte Entscheidungen über digitale Werkzeuge, Infrastrukturen und Bildungsinhalte treffen können – gestützt auf Kompetenz, Transparenz und Verantwortung.
Deutlich wurde, dass das aktuelle Interesse an digitaler Souveränität maßgeblich durch gesellschaftliche und technologische Dynamiken geprägt ist und deutlich ansteigt. OER können hier einen zentralen Beitrag leisten: Sie stärken die Kontrolle über Bildungsinhalte, fördern die Nachnutzbarkeit, setzen auf offene Standards und reduzieren Abhängigkeiten von proprietären Angeboten. Zugleich wurde betont, dass digitale Souveränität nicht den Verzicht auf etablierte, kommerzielle Tools bedeutet. Vielmehr erfordert sie die Schaffung von Redundanzen: Populäre Lösungen können weiterhin pragmatisch genutzt werden, sollten jedoch durch öffentlich zugängliche, möglichst unabhängige Plattformen und offene Werkzeuge ergänzt werden.
OER und KI: Was, warum, wozu und wie – Praxisperspektive Hochschulnetzwerk HAWKI?
Zurück im zentralen Basislager richtete sich der Blick auf ein weiteres Schwerpunktthema: Prof. Stefan Wölwer von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen gab mit seinem Vortrag „OER und KI: Was, warum, wozu und wie – Praxisperspektive Hochschulnetzwerk HAWKI?“ Einblicke in die Entwicklung und den Einsatz der KI-Plattform HAWKI. Im Zentrum standen deren zentrale Bausteine sowie die Frage, wie sich diese Lösung im entstehenden Hochschulnetzwerk verankert. Bereits rund 80 Hochschulen nutzen derzeit mit HAWKI ein Open-Source-KI-Ökosystem.

MOERFI-Stakeholder-Stage
Im Anschluss führten die Projekte HackathOERn und MOERFI ins OER-Unterholz und zeigten anhand konkreter Praxisbeispiele, wie sich OER-förderliche Bildungsinfrastrukturen bereits im Gelände behaupten und zu einem wichtigen Bestandteil einer offenen Bildungspraxis weiterentwickeln. Im Mittelpunkt standen erprobte Tools, Workflows und Konzepte, die in Schule und Hochschule eingesetzt und zunehmend miteinander vernetzt werden.
Dr. Susanne Friz (FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht) und Constanze Reder-Knerr (Virtueller Campus Rheinland-Pfalz) holten dafür Jason Mansour (HackathOERn), Steffen Rörtgen (edufeed/Nostr), Matthias Kostrzewa (ePort4all) und Dr. Lea Schulz (inklusiv.digital) auf die Bühne. Gemeinsam machten sie sicht-bar, wo im OER-Dschungel bereits Wege angelegt wurden, welche Pfade tragfähig sind – und wo das Gelände noch unzugänglicher ist als gedacht.


Wie geht es weiter?
Mit dem Ausblick von Katja Stamm und Detlef Reuter (BMBFSFJ) auf die weitere Entwicklung der OER-Landschaft, in dem sie die nächsten Schritte skizzierten und erläuterten, mit welchen Impulsen die OER-Arbeit in die kommende Phase geht, fand die gemeinsame Reise durch den OER-Dschungel in Köln ihren Abschluss.


Weitere Impressionen der OER im Blick 2026


















