Demotage

Offene Bildung weiterdenken – Bergfest bei MOERFI!
2. MOERFI Demo-Tag: Tools, Editoren und KI in der Praxis

Landtag Rheinland-Pfalz, Mainz | 10.–11. Februar 2026
Virtueller Campus Rheinland-Pfalz (VCRP) und FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht gGmbH

Mit dem 2. MOERFI Demo-Tag haben wir das Bergfest erreicht – ein Projektjahr liegt hinter uns, ein Jahr liegt noch vor uns. Seit dem ersten Demo-Tag im Münchner FWU-Gebäude mit 90 Teilnehmenden ist eine Community gewachsen, die sich mit Leidenschaft für offene Bildungsinfrastrukturen einsetzt. Zum Bergfest lud MOERFI am 10. und 11. Februar 2026 in den Landtag Rheinland-Pfalz in Mainz – und das Programm stand ganz im Zeichen der Praxis: Tools zum Anfassen, KI-Anwendungen reflektieren, gemeinsam weiterdenken.

Was zuvor geschah – der Vorabend des 10. Februar
Schon am Vorabend zog der Landtag Rheinland-Pfalz die erste Welle engagierter Teilnehmender an. Unter dem Titel „Stunde der offenen Tür“ luden MOERFI und das Partnerprojekt HackathOERn von 16:30 bis 18:00 Uhr zu einem Thesen-Walk ein – zehn Arbeitsthesen zu offenen Bildungsinfrastrukturen auf vier Boards, zur Erkundung, Kommentierung und Diskussion. Im Anschluss entstanden beim Get-together zwischen Finger Food und Getränken die ersten informellen Kontakte und Kooperationsideen, die den nächsten Tag bereichern sollten.

Der Thesen-Walk: Zehn Positionen, vier Boards, viele Stimmen
Die zehn Thesen des MOERFI-Teams spannten einen Bogen von technischer Infrastruktur über Community-Fragen bis hin zu den Lernenden an Schulen und Hochschulen sowie der Lehrkräftebildung. An jeweils 2–3 Thesen pro Board diskutierten die Teilnehmenden intensiv – kommentierten, widersprachen, stimmten zu. So zeigte sich, wo die OER-Community steht und wo noch Klärungsbedarf besteht.

Board 1 – Thesen 1 & 2: Interoperabilität und medienbruchfreie Workflows
These 1: Interoperabilität als Motor echten Austauschs
Machen wir Interoperabilität zum Motor echten Austauschs zwischen Bildungsbereichen. Sie ermöglicht nicht nur die technische Vernetzung von LMS und Repositorien, sondern schafft Perspektiven für nachhaltige Kooperationen zwischen Schulen, Hochschulen und anderen Bildungsbereichen.
These 2: Medienbruchfreie Workflows durch Schnittstellen, Plugins und KI
Gestalten wir medienbruchfreie Workflows durch Schnittstellen, Plugins und KI-gestützte Zwischenschichten. Durch intelligente technische Lösungen können OER effizient zwischen LMS und Repositorien bewegt und Lerninhalte flexibel genutzt werden.

Die beiden Thesen hängen technisch eng zusammen: es geht um das „Warum“ und „Wie“ von Vernetzung. Schnell wurde deutlich: Interoperabilität ist kein reines Technikthema, sondern vor allem ein Kooperationsprojekt. Wer kuratiert mit welcher Legitimation? Wer übernimmt Verantwortung zwischen IT, Administration und Lehrenden? Diese Strukturfragen dominierten. Medienbruchfreie Workflows wurden als notwendige Bedingung anerkannt – aber stets verbunden mit dem Hinweis, dass Austausch Zeit braucht und Interoperabilität didaktischen Mehrwert schaffen muss und kein Selbstzweck ist.

Board 2 – Thesen 3 & 4: Offene Formate und Metadaten
These 3: Übergang von geschlossenen zu offenen Formaten als pädagogisch-didaktischer Prozess
Sehen wir den Übergang von geschlossenen zu offenen Formaten sowohl als pädagogisch-didaktischen Prozess bei den Teilgebenden, als auch verstärkt im Verantwortungsbereich der Infrastrukturen. So verbinden wir technische Konvertierungslösungen mit der Entwicklung von Kompetenzen für offenen Unterricht und Open Educational Practices.
These 4: Umfassende Metadatenstandards als Grundlage professionellen OER-Arbeitens
Setzen wir auf umfassende Metadatenstandards, die didaktische, methodische, medienpädagogische und qualitätssichernde Informationen enthalten – Lernziele, Methodik, Differenzierungsmöglichkeiten und die Zuordnung zu Lehrplänen – als Grundlage für professionelles OER-Arbeiten.

Vom reinen Systemdenken zur Frage: was lösen offene Formate bei Lehrenden aus? These 3 fand große Zustimmung: Die Verbindung von technischer Konvertierung und pädagogischem Kompetenzaufbau wurde als Alleinstellungsmerkmal offener Systeme gewürdigt. Bei These 4 entstand eine produktive Spannung: Didaktische Metadaten gelten als unverzichtbar – gleichzeitig wurde gefragt, ob die geforderte Tiefe der Auszeichnung Produzentinnen und Produzenten nicht überfordert. KI wurde als mögliche Entlastung ins Spiel gebracht.

Board 3 – Thesen 5, 6 & 7: Community, Qualität und pädagogische Wirkung
These 5: Nachhaltige Nutzung von OER durch aktive Austausch- und Feedback-Kultur
Fördern wir die nachhaltige Nutzung von OER durch eine aktive Austausch- und Feedback-Kultur. Feedback- und Kommunikationsfunktionen auf Portalen sowie KI-gestützte Tools können die Beteiligung stärken und ein lebendiges OER-Ökosystem aufbauen.
These 6: Verbindung von OER mit Bildungsakteuren stärken
Stärken wir die Verbindung von OER mit den beteiligten Bildungsakteuren. OER-förderliche Infrastrukturen befördern soziales Lernen, indem sie erstellende, weiterbearbeitende, nutzende und lernende Personen in Verbindung bringen.
These 7: Pädagogische Wirkung von Infrastrukturen erkennen und nutzen
Erkennen und nutzen wir die pädagogische Wirkung von Infrastrukturen. Richtig gestaltet können sie offene Pädagogik und didaktische Innovation fördern, während unreflektierte Strukturen Pädagogik und Didaktik hemmen können.

Die drei Thesen kreisen um dieselbe Grundfrage: Wer hält das OER-Ökosystem am Leben – und unter welchen Bedingungen? Das richtige Feedback-Modell blieb kontrovers: Anonymität beim Hochladen wurde überraschend positiv bewertet, weil sie Hemmschwellen senkt. Hinter These 6 verbirgt sich ein strukturelles Grundproblem: Community ohne Management funktioniert kaum und ohne Fortbildungsverpflichtung bleibt die Beteiligung von Lehrkräften fraglich. Bei These 7 wurde die Wirkmächtigkeit von Infrastrukturen im Schulkontext relativiert – kulturelle und strukturelle Rahmenbedingungen seien mindestens genauso entscheidend.

Board 4 – Thesen 8, 9 & 10: Lernende, Ökosystem und Lehrkräftebildung
These 8: OER-Portale für Lernende öffnen und zur aktiven Beteiligung befähigen
Unterstützen wir OER-Portale dabei, sich auch für Lernende stärker zu öffnen. Lernende bauen so Kompetenzen auf, selbstgesteuert mit OER zu arbeiten und Lernprozesse mitzugestalten – bis hin zu einer offenen OER-Community zwischen Lehrenden und Lernenden.
These 9: OER-Ökosystem als Netzwerk des Lernens und Lehrens
Gestalten wir das OER-Ökosystem als Netzwerk des Lernens und Lehrens. OER-förderliche Infrastrukturen sind als Basis für das Zusammenstellen persönlicher, vernetzter Lehr-, Lern- und Arbeitsumgebungen zu verstehen – als Teil neuer Lernkultur.
These 10: Schule und Hochschule frühzeitig vernetzen – insbesondere in der Lehrkräftebildung
Vernetzen wir Schule und Hochschule frühzeitig, insbesondere in der Lehrkräftebildung. So entwickeln wir die notwendigen Kompetenzen für den professionellen Umgang mit OER-Infrastrukturen und legen den Grundstein für nachhaltige Kooperationen.

Das letzte Board weitete den Blick auf das Gesamtsystem. These 8 wurde positiv aufgenommen, aber kritisch hinterfragt: Befördert mehr Beteiligung wirklich neue Unterrichtskonzepte – oder bleibt es beim Arbeitsblatt? These 9 brachte einen konkreten technischen Impuls: Die GitHub-Analogie – Branches, Versionierung, kollaborative Weiterentwicklung – wurde als zukunftsweisendes Bild eines vernetzten OER-Ökosystems aufgegriffen. These 10 schloss den Bogen: OER als Kultur muss in allen drei Phasen der Lehrkräftebildung verankert werden, nicht erst im Berufsalltag.

Der 11. Februar 2026 – ein Demo-Tag für die offene Lehre
Am nächsten Morgen begrüßte Prof. Dr. Konrad Faber (VCRP) die gut 90 Teilnehmenden aus schulischer und hochschulischer Lehre im Landtag Rheinland-Pfalz. Nach dem Grußwort von Dr. Susanne Friz (FWU) ging Detlef Reuter vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend über neue Förderlinien im Bereich offener Bildung ein – sein Ausblick auf OE_Space stieß auf großes Interesse im Plenum.

Lightning Talks: Praxis aus erster Hand
Den inhaltlichen Auftakt des Tages setzten eine Praktikerin und ein Praktiker mit Modellen und Szenarien, wie offene Bildung im Alltag praktisch aussieht.

Alexander König (Deutsch-Französisches Gymnasium Saarbrücken)
Alexander König brach eine Lanze dafür, dass sich die Rolle der Lehrkraft grundlegend wandeln sollte – von der bloßen Wissensvermittlung hin zu Lernermöglichenden und Lernprozessbegleitenden.

In seinem Transformationsmodell zeigt er, wie OER nicht nur den Unterricht, sondern Schulkultur und Rollenverständnisse insgesamt verändern kann.

OER entstehen da, wo wir mit Schülerinnen und Schülern OER machen.

Elena Jeron (IT-Projektmanagerin, Projekt AIS, FWU)
Jeron stellte telli vor – eine Schul-KI, die als kollaboratives Länderprojekt entwickelt wird und Schulen aktive Rückmeldemöglichkeiten an die Entwickelnden bietet. Ihre Metapher zur Rolle von KI-Tools in Lehr-/Lernprozessen traf es auf den Punkt:


Das Arbeiten mit einer gesicherten KI ist wie das Fahren eines E-Bikes: Es gibt Unterstützung und Antrieb, aber die Richtung muss man selbst kennen – und manche Strecke sollte man weiterhin aus eigener Kraft zurücklegen.

Badges-Ralley auf dem Markt der Möglichkeiten: 16 Tools zum Anfassen
Im großen Foyer des Landtags prägten 16 Marktstände den Vormittag. Anbietende von Tools, Editoren und Bildungsinfrastrukturen demonstrierten ihre Angebote live – und die bewährte Badges-Rallye sorgte dafür, dass die Teilnehmenden nicht nur zuschauten, sondern selbst aktiv wurden. Das Feedback war eindeutig: Besonders wertvoll war das unmittelbare Ausprobieren, und viele entdeckte Tools, die sie bisher nicht kannten. Großes Interesse weckten Editoren, mit denen barrierefreie Gestaltung möglich wird und/oder solche, die direkt im eigenen Ökosystem hostbar sind. Auch kommende Neuerungen bei Tools oder deren Integrierbarkeit in eigene LMS wie Moodle überzeugten.
Als Wunsch für künftige Formate wurde deutlich: noch mehr Raum für Diskussion, Austausch und das gemeinsame Entwickeln neuer Kooperationen.

Maker Labs: Drei Tracks, sechs Tools, echte Praxis
Am Nachmittag teilten sich die Teilnehmenden in drei parallele Tracks auf, in denen je zwei Maker Labs aufeinander aufbauten. Im Vordergrund stand nicht die Präsentation, sondern das Machen.

Track 1 – Inklusion und KI: inklusiv.digital & telli
Christina Broo (Universität Bremen) führte in den barrierefreien Sodix-Editor ein, der OER für alle zugänglich machen soll. Mittels Test-
accounts konnten direkt verschiedene digitale Lernprojekte erstellt werden. Elena Jeron vertiefte anschließend die Hintergründe von telli: Entwicklung, Hosting, Datenschutz und die pädagogische Einbettung einer Schul-KI als gemeinsames Länderprojekt. Auch hier gab es für alle Teilnehmenden Testaccounts um bereits mitgebrachte oder neue Ideen auszuprobieren.

Track 2 – Lehrplanung und Material: OnlyOffice und KI & ZUM/H5P
Prof. Dr. Klaus Knopper (HS Kaiserslautern) zeigte OnlyOffice als offene Office-Suite für kollaborative Materialerstellung, LMS- und KI-Integration. Tina Neff (Universität Vechta) und Patrick Oberdörfer (H5P Ambassador) präsentierten die ZUM-Plattform und dortige H5P-Workflows für strukturierte OER-Arbeit im Lehr-Team.

Track 3 – Interaktiv: LiaScript & H5P
Sebastian Zug und André Dietrich (TU Bergakademie Freiberg) stellten LiaScript vor – und lösten damit die aufschlussreichste Debatte des Tages aus. Während Hochschullehrende das Markdown-basierte Tool und seine Git-Integration für kollaborative, versionierte Materialentwicklung begeistert aufnahmen, war es für die Arbeit an und mit Schulen wohl etwas komplex. Hier bleibt H5P eindeutig das Mittel der Wahl. Oliver Tacke (H5P Freelancer) nutzte das zweite Lab, um – ohne Grundvorstellung, alle kannten H5P bereits – neue Features rund um den kommenden OER Hub zu zeigen und seit Langem offene Fragen der Community zu beantworten.

Fishbowl: Praxis trifft Reflexion
Den Nachmittag beschloss eine Fishbowl-Diskussion, moderiert von Constanze Reder-Knerr und Susanne Friz. Die Demonstratorinnen und Demonstratoren stellten sich drei Leitfragen:

Zunächst: Welches Kernversprechen haben die Tools eingelöst? Die Antworten zeigten, wie unterschiedlich die Tools in verschiedenen Bildungskontexten wirken.

LiaScript befördert kollaborative Entwicklung in Communities, H5P erleichtert interaktive In-halte im Schulalltag, telli setzt auf gesicherten KI-Zugang mit klaren Grenzen.

Dann: Welche didaktischen Muster sollten Lehrende kennen? Als Paradebeispiel diente der Flipped Classroom, z.B. mit H5P – Vorwissensaktivierung zu Hause, Vertiefung im Präsenzunterricht. Die Botschaft war eindeutig: Tools entfalten ihren Mehrwert erst im durchdachten didaktischen Konzept.

Und schließlich die praxisnahe Abschlussfrage: Wie könnte eine Tool-hostende Institution morgen direkt Umsetzungshürden abbauen? Etwa durch niedrigschwellige Einstiegsangebote, gute Dokumentation, direkte Ansprechpersonen – und das Ohr nah an der Community halten. Denn alle Projekte sind auf Rückmeldungen aus der Praxis angewiesen.

Ausblick: Weiter geht’s!
Eine erste Tagungsreflektion unternahmen wie von einem guten Omen sonnenbeschienen Detlef Reuter und Katja Stamm (BMBFSJ), während Konrad Faber und das MOERFI-Team mit einem Wrap-up den Tag beschlossen: Das Bergfest ist vorbei, nun beginnt die Konsolidie-rung, und sie führt direkt zum 3. MOERFI Demo-Tag im Herbst 2026. Die Stimmung am Ende des Tages war der beste Beweis dafür, dass das Format funktioniert: durch die starke Community, und deren spürbare Bereitschaft, Ideen zu teilen und gemeinsam weiterzubauen.


So war’s – Stimmen der Teilnehmenden
Rund um die Veranstaltung teilten Teilnehmende ihre Eindrücke – hier eine Auswahl:

„Nach anderthalb intensiven Tagen in Mainz ist mein Kopf noch etwas überfordert. Wie schon im Juni 2025 war die MOERFI ein echter Gewinn – viele inspirierende Gespräche, spannende Einblicke und ganz viel positive Energie rund um die Zukunft offener Bildungsinfrastrukturen.

Starke Community, viel Leidenschaft und spürbare Bereitschaft, Ideen zu teilen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten – genau diese Mischung macht das Format so wertvoll.

„Inspiration hoch, Schrittzähler hoch, Zeitgefühl runter.

War ein toller Austausch! Super Stimmung und extrem kompetente Kolleginnen und Kollegen!

Projektinformation
Das Projekt MOERFI (Mapping von OER-förderlichen BildungsInfrastrukturen – Demo-Tage) wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Rahmen der OER-Strategie gefördert. Projektpartner sind der Virtuelle Campus Rheinland-Pfalz (VCRP) und das FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht gemeinnützige GmbH. MOERFI arbeitet eng mit HackathOERn und OERinfo zusammen.

Projektkontakt: Constanze Reder-Knerr | reder-knerr@vcrp.de | Virtueller Campus Rheinland-Pfalz, Erwin-Schrödinger-Str. Geb. 57, 67663 Kaiserslautern

Infrastrukturen und OER-Enthusiastinnen und -Enthusiasten vernetzen:
So wars beim 1. MOERFI Demo Tag 2025!


3. Juni 2025, FWU München Grünwald

Bereits am Vorabend des 1. Demo Tages – dem 2. Juni 2025 – trafen sich über 70 Teilnehmende zum informellen Get together in der „Frau im Mond“ des Deutschen Museums in München. Das aufbrausende Gewitter verstärkte nur die fantastische Aussicht und trübte nicht die lockere Atmosphäre, in der erste Kontakte geknüpft, Erwartungen ausgetauscht und das vielfältige Programm angekündigt wurden.

Ein starker inhaltlicher Auftakt

Am nächsten Morgen begrüßte Andreas Koschinsky (Direktor des FWU) als Gastgeber alle Teilnehmenden in den altehrwürdigen Hallen des FWU, das in diesem Jahr seine 75-jährige Erfolgsgeschichte feiern darf. Anknüpfend eröffnete Prof. Dr. Konrad Faber (VCRP) den Demo Tag mit einer kurzen Begrüßung und dankte allen Partnerinnen, Partnern und Förderern, insbesondere dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) sowie dem Projektpartner FWU – Medieninstitut der Länder für die Gastgeberschaft. Im Anschluss ging es mit der Keynote von Prof. Dr. Frank J. Müller (Universität Bremen) inhaltlich los – ein pointierter Impuls zur Notwendigkeit gemeinsamer Standards und offener Plattformarchitekturen.

Das inklusive Potenzial von OER und OEP
In seiner Keynote „OER für alle? – Inklusive Lernräume zwischen Anspruch und Realität“ hob Frank Müller hervor, dass offene Bildungsressourcen (OER) nur dann ihr inklusives Potenzial entfalten können, wenn technische, rechtliche und gestalterische Hürden systematisch abgebaut werden. Er stellte zentrale Barrieren in bestehenden Infrastrukturen (z. B. Metadaten, Lock-in-Effekte, Bearbeitbarkeit) dar und plädierte für barrierefreie, remixfreundliche und nutzendenzentrierte Formate. Müller präsentierte praxisnahe Beispiele wie inklusiv.digital, Path²in und Wort.Schule und zeigte, wie technologische Hilfsmittel (z. B. KI-gestützte Übersetzung, H5P, offene Schnittstellen) OER für alle zugänglich machen können. Ein besonderes Augenmerk legte er auf die Rolle von Communitys („DOERfis“) sowie auf kollaborative Prozesse – von gemeinsamen Redaktionsworkflows bis hin zu nachhaltiger Verbreitung über offene Protokolle. Seine zentrale Botschaft: Offenheit ist kein Selbstzweck, sondern schafft Zugänge, Gemeinschaft und neue Perspektiven – sofern sie konsequent gestaltet wird.

Markt der Möglichkeiten: 16 Stände zum Anfassen

Nachdem die Vertretenden der MOERFI-Projektpartner Susanne Grimm (OERinfo) und Marco Timm (edu-sharing Network) Blitzlichter zur den Partner-Projekten OER-World-Map und HackathOERn präsentiert hatten, standen im großen Foyer des FWU 16 Marktstände bereit, an denen Infrastruktur- und Plattformanbieter ihre Angebote live demonstrierten. Zu den Ausstellenden gehörten:

  • OER Info und ZUM (DIPF) mit ihrer umfangreichen Sammlung kuratierter OER
  • OpenCast (TU Lübeck) als Open-Source-Videoplattform für Hochschulen
  • ComPleTT/lernen:digital, MIKA/BIBB und ORCA mit spezialisierten Tools für Unterrichtsentwicklung und Ressourcen-Management
  • Portale für den Schulbereich wie HubbS, SODIX/MUNDO, MKIS, ByCS und die Schulcloud, die vielfältige Funktionen von Materialsuche über Lernaufgaben bis hin zur Unterrichtsgestaltung bündeln
  • Innovative Start-ups & Communities wie HackarthOERn, Twillo/OERSI, ZOERR und Open Music Academy

In der Badges-Rallye auf dem Markt der Möglichkeiten erhielten Teilnehmende Aufgabenkarten, die sie von Station zu Station führten. Wer etwa bei ORCA eine Metadaten-API erfolgreich aufrief oder bei ComPleTT ein eigenes OER-Lernmodul erstellte, verdiente sich einen Badge – und konnte so spielerisch unterschiedliche Workflows kennenlernen. Nach erfolgreicher Bewältigung von fünf Aufgaben konnte man an der Tombola OER fürs Büro und einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt über die MOERFI-Kanäle gewinnen.

Interaktive Vertiefung in fünf Workshops

Am Nachmittag des Demo Tags boten fünf parallel laufende Workshops die Möglichkeit zur vertieften Auseinandersetzung mit verschiedenen Teilaspekten rund um offene Bildungsinfrastrukturen. Jeder Workshop wurde von erfahrenen Fachpersonen moderiert und war in Aufbau, Methoden und Zielrichtung unterschiedlich gestaltet: Manche Gruppen arbeiteten entlang einer zentralen Fragestellung, andere diskutierten mehrere Themen parallel oder sammelten Bottom-up Erfahrungen. Die Teilnehmenden setzten sich sowohl aus Akteurinnen und Akteuren der Praxis als auch aus Hochschulen, Landesinstituten und Plattformanbietenden zusammen.

1. Interoperabilität & Kollaboration

(ZOERR und Orca.nrw)

Dieser Workshop strukturierte sich entlang dreier Themenwände: Technik, Didaktik und Organisation. Die Diskussion drehte sich um die Voraussetzungen für eine funktionierende, offene Bildungsinfrastruktur, die Akteure und Systeme übergreifend vernetzen kann.

Technisch wurde betont, dass Interoperabilität mehr meint als den Austausch von Materialien. Auch Kommentare, Sammlungen, Kurse und Inhaltsdaten benötigen klare Metadatenstandards. Hinsichtlich Lernmanagementsystemen (LMS) als zentrale und weitverbreitete Bildungstechnologie sowohl im Schul- als auch Hochschulbereich ist der Bedarf an Schnittstellen und Plugins hervorgehoben worden, um OER in beide Richtungen (LMS -> OER-Repos, OER-Repos -> LMS) zu ermöglichen. Aber auch ein reflektierter Einsatz von KI: Was kann sie leisten – und was nicht? – ist diskutiert worden. Im Bereich der Interoperabilität von Inhaltsdaten wird generative KI als eine perspektivische Lösungsstrategie für medienbruchfreie Umgebungen und Workflows angesehen (LLMs als Zwischenschicht!?).

Didaktisch wurde die Balance zwischen Standardisierung und Vielfalt diskutiert. Eine gemeinsame Sprache (als Facette von Interoperabilität) ist notwendig, darf aber die Offenheit für unterschiedliche pädagogische Ansätze nicht gefährden. Es wurde betont, dass die Vernetzung von Hochschule und Schule ein aussichtsreicher Beitrag zur Verschränkung und dem kompetenten Umgang mit unterschiedlichen Infrastrukturen leisten kann und dies bestenfalls in der Lehrkräftebildung bereits bei den Studierenden beginnen müsste.

Organisatorisch wurde über Tagging-Systeme, Mapping-Initiativen und die Notwendigkeit verlässlicher Ressourcen gesprochen. Interoperabilität wurde als strukturelle Voraussetzung für Kollaboration verstanden – sowohl technisch als auch institutionell.

2. Usability

(ByCS und Twillo/OERSI)

Im Workshop „Usability“ arbeiteten die Teilnehmenden in drei Gruppen zu den Themen Auffindbarkeit, Flexibilität und Lernförderlichkeit von OER.

Zur Auffindbarkeit wurde betont, wie wichtig qualitativ hochwertige Metadaten und benutzerfreundliche Suchfunktionen sind. Eine semantische, KI-gestützte Suche mit automatisierter Metadatengenerierung sowie dialogische Assistenzen (z. B. Chatbots) wurden als zukunftsweisend genannt. Tools wie SODIX wurden als gute Praxis hervorgehoben.

Zur Flexibilität wurde die Bearbeitbarkeit von OER diskutiert: Offene Formate wie Markdown, Versionierungsfunktionen und editierbare Templates (z. B. über GitHub) ermöglichen nachhaltige Nutzung. Gezippt exportierte Kurse oder geschlossene Formate wie PDFs gelten als hinderlich.

Im Bereich Lernförderlichkeit ging es um didaktische Anreicherungen – z. B. durch Lernziele, Aufgabenstellungen und Hinweise zur Differenzierung. Die Integration dieser Informationen sowie eine transparente Qualitätssicherung wurden als essenziell beschrieben. Zentrale Plattformen mit „Single Point of Entry“ und KI-gestützter Orientierung wurden als Idealbild formuliert.

Weitere Erkenntnisse:
– Autorentools sollten direkt in den Erstellungsprozess integriert werden, um die Eingabe von Metadaten, Lizenzen und Versionsverläufen zu erleichtern.
– Plattformen sollten die Idee des Teilens aktiv fördern – sowohl durch technische Unterstützung (z. B. Versionierung) als auch durch soziale Mechanismen (z. B. „Likes“ als Anreiz).
– Offene Bildungsressourcen sollten mit klaren didaktischen Informationen angereichert sein und Qualitätsstandards erkennbar machen.

3. Barrierefreiheit & Inklusion

(SODIX/MUNDO und OpenCast)

Die Teilnehmenden konnten sich zu Beginn aus einer Liste von zehn Fragen rund um Inklusion und Barrierefreiheit in OER-Kontexten eine Schlüsselfrage zur gemeinsamen Bearbeitung aussuchen. Als zentrales Thema kristallisierte sich die Frage nach „Quick Wins“ heraus: Welche kleinen Maßnahmen könnten mit wenig Aufwand sofort spürbare Verbesserungen für die Barrierefreiheit bringen?

Diskutiert und empfohlen wurden:

  • Perspektivwechsel: „100 Schritte in den Schuhen der Nutzenden gehen“
  • Technik regelmäßig testen: z. B. Screenreader-Zugänglichkeit tatsächlich prüfen
  • Bildbeschreibungen, Untertitel, Kontraste, Schriftwahl
  • Gendergerechte Sprache screenreaderfreundlich umsetzen

Inhaltlich ging es auch um die Verantwortlichkeiten in OER-Projekten: Wer trägt Sorge für inklusive Gestaltung – und auf welcher Ebene (Autorin/Autor, Plattform, Träger)? Vorgestellt wurden die Plattformen MUNDO und SODIX (Christina König und Carl Schuurbiers) sowie BigBlueButton und OpenCast (Rüdiger Rolf) als Beispiele für technische und organisatorische Lösungsansätze.

Das Ergebnis: Für echte Inklusion reichen technische Lösungen allein nicht – Barrierefreiheit muss als Grundhaltung in die Entwicklung und Nutzung von OER integriert werden.

4. Didaktische Konzepte für OER/OEP

(ByCS und digiLL)

Im Workshop „Didaktisierung“ diskutierten die Teilnehmenden auf Basis zweier Impulse aus Hochschule (Matthias Kostrzewa, digiLL) und Schule (Paola Maneggia, ByCS) die Weiterentwicklung offener pädagogischer Konzepte. Unterschiede zwischen Hochschultheorie und schulischem Alltag traten schnell zutage – etwa in der Kultur des Teilens und im kollaborativen Arbeiten.

Drei zentrale Diskussionsstränge:

  1. Barrieren in der Nutzung: Fehlende Forenkultur, zeitliche Begrenzung, technische Ausstattung – Lehrkräfte greifen oft auf vertraute Materialien zurück. Lösungsvorschläge: besser integrierte Autorentools, passgenaue Suchfunktionen, Andockung an Lehrpläne.
  2. Kulturwandel & Partizipation: Eine offene Pädagogik erfordert neue Haltungen – weg vom „Inputdenken“ hin zu Kollaboration, auch mit Lernenden. Beispiele wie mebisTube oder TeachShare-Kurse auf MUNDO zeigen, wie solche Kulturen wachsen können.
  3. Infrastrukturen & Didaktik: Infrastrukturen beeinflussen pädagogische Entscheidungen – manchmal ungewollt hemmend. Schulungen sollten daher nicht nur Technik, sondern auch didaktische Nutzungsszenarien vermitteln. Storytelling, Flipped Classroom und Partizipation wurden als besonders geeignete Konzepte genannt.

Das Fazit: Die Weiterentwicklung offener Bildungspraktiken (OEP) ist keine rein technische Frage – sie braucht veränderte Strukturen, Schulung, didaktische Konzepte und eine Kultur des Teilens auf Augenhöhe.

5. Lernortübergreifende Bildung

(HubbS und MIKA)

In diesem Workshop ging es um Schnittstellen zwischen Schule, Hochschule und informellem Lernen – und um die Frage: Was ermöglicht zwischen diesen Bereichen echte Kooperation?

Als zentraler Erfolgsfaktor wurde benannt, dass Kooperation dann gelingt, wenn sie anlassbezogen, zielgerichtet und durch konkrete Neuerungen motiviert ist – z. B. beim Einsatz eines neuen Tools oder bei methodischen Veränderungen. Gearbeitet wurde gemeinsam auf einer digitalen Taskcard, die zur Visualisierung und Ideensammlung beitrug.

Diskutiert wurden:

  • OER als Wissenskette, die den kontinuierlichen Austausch zwischen Lernorten stärkt
  • Peer-to-Peer-Kooperationen als unterschätzte Ressource: brauchen wir mehr OER-Küchenpartys (und wie vereinen wir fünf verschiedenen OER-Küchen, in denen gute Ideen entwickelt werden?)
  • Rollentypen oder Kooperationsformate, die in alle Bildungsbereiche hineinwirken
  • Akteurinnen und Akteure (Referendarinnen und Referendare, Studierende, Ausbildende, Azubis etc.) für OER: wo hört der gute Wille auf und beginnt die Verpflichtung, OER ins Handeln zu übertragen, z.B. durch Veröffentlichungen?


Auch die soziale Dimension wurde thematisiert: Motivation, Haltung und Austauschkultur lassen sich eben nicht vollständig steuern oder gar erzwingen – aber durch gute Rahmenbedingungen positiv beeinflussen.

In Kleingruppen wurden konkrete Anwendungsfälle bearbeitet und Best-Practice-Empfehlungen erarbeitet. Zum Abschluss stellte jede Gruppe ihre zentralen Erkenntnisse im Plenum vor – von Fragen der Nachhaltigkeit über Verantwortlichkeiten bis hin zu notwendigen Förderstrukturen.

Netzwerkarbeit und Ausblick

Rund 90 Teilnehmende aus Ministerien (wie Vertretende  des BMBFSFJ, der KMK), Landesinstituten (z.B. Medienberatung NRW und Bayern), Universitäten bundesweiter Regionen sowie Schulen, Bibliotheken und NGOs (z. B. Open Knowledge Foundation Deutschland, Edusharing) nahmen aktiv am 1. MOERFI-Demo Tag teil.

Bereits in Pausengesprächen und beim Ausklang des Demo Tages wurden erste Kooperationsideen skizziert – von gemeinsamen Pilotprojekten bis hin zu standardisierten Metadaten-Prüfroutinen.

Der 1. MOERFI Demo Tag zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und dynamisch die deutsche OER-Infrastruktur bereits ist. Die gesammelten Impulse, Workshop-Ergebnisse und das Feedback der Teilnehmenden fließen nun in die Weiterentwicklung des Projekts ein: Mit unserem Partner-Projekten HackathOERn und der OER World Map, weiteren Demo Tagen in verschiedenen Regionen und vertiefenden Schulungsformaten soll die Vernetzung und Sichtbarkeit offener Bildungsressourcen, deren Tools und Infrastrukturen nachhaltig gestärkt werden.